Ein Interview, das die Perspektive verändert: John Buskermolen, Waterdrinker Netherlands
Die Floristikbranche durchläuft eine stille, aber tiefgreifende Transformation. Es ist keine spektakuläre Veränderung, keine Schlagzeile in den Breaking News, aber sie ist jeden Tag in den Blumenläden spürbar: geringere Margen, höherer Druck, anspruchsvollere Kunden und ein Wettbewerb, der nicht mehr dem von vor 10 Jahren entspricht.
Gleichzeitig passiert etwas Paradoxes. Die Menschen waren noch nie so interessiert an Schönheit, Emotion und Atmosphäre. Blumen verschwinden nicht aus ihrem Leben. Doch die Art und Weise, wie sie gekauft, wahrgenommen und verkauft werden, verändert sich grundlegend.
In diesem Kontext haben wir mit John Buskermolen gesprochen, Sales Manager bei Waterdrinker – einem der wichtigsten europäischen Unternehmen in der Lieferkette für Blumen und Pflanzen. Was daraus entstanden ist, ist nicht nur ein Interview, sondern ein Set von Ideen, die – richtig verstanden – die Sicht auf diese Branche komplett verändern können.

1. Rückblickend auf deine berufliche Laufbahn: Welche Momente haben deine Sicht auf die Floristik am meisten geprägt?
A: Für mich waren es vor allem die Menschen, die meine Sicht geprägt haben – ihre Leidenschaft für Pflanzen und Blumen. Die Zukunft dieser faszinierenden Branche liegt darin, Menschen zu verbinden und Wissen zu teilen. Floristen, die jeden Tag etwas Schönes schaffen, oft unter großem Druck, und Produzenten, die mit Liebe und Leidenschaft an ihren Produkten arbeiten.
Ich sehe, wie hart die Menschen arbeiten, oft zu ungewöhnlichen Zeiten, aber ich sehe auch, wie wenig Zeit für Entwicklung bleibt. Dort begann meine Überzeugung: Dinge müssen intelligenter und einfacher werden. Wir müssen Raum schaffen für das, was wirklich zählt – Leidenschaft, Kreativität und Handwerk.
Ich möchte den Floristen das Leben leichter machen, sie unterstützen und ihnen helfen, sich durch Trends, Neuheiten, Spezialitäten und extrem frische Produkte abzuheben.
2. Was ist das größte Missverständnis, das Floristen über diesen Teil der Branche haben?
A: Viele Floristen glauben, sie seien zu klein, um einen Unterschied zu machen. Wir müssen in großem Maßstab arbeiten, um die besten Produkte, Preise und Neuheiten anbieten zu können. Produzenten suchen Sicherheit und Stabilität für ihre Produkte.
Wir verstehen, was im Markt passiert – lange Tage und Druck auf die Margen. Wir möchten unsere Stärke nutzen, um Floristen mit Lösungen näherzukommen, die Sicherheit geben: ein klares Sortiment, garantierte Frische und echte Unterstützung.
Das tun wir, indem wir mit lokalen Großhändlern in Europa über unser Sub-Webshop-System zusammenarbeiten. So können Floristen direkt frische Blumen und Pflanzen von Produzenten aus den Niederlanden kaufen. Sie haben die Möglichkeit, genau das auszuwählen, was sie wollen – in einem klaren und einfachen Webshop.
Alles dreht sich um Logistik. Lokale Großhändler transportieren große Mengen in Länder wie Rumänien und verteilen die Bestellungen. Floristen können die Produkte lokal abholen und ihre Einkäufe für Basisprodukte abschließen – das, was ich „Butter, Käse und Eier“ nenne.
Manchmal können Floristen sich die Produkte auch direkt ins Geschäft liefern lassen. Frischer, schneller oder einzigartiger kann man nicht einkaufen.

3. Wie würdest du die Denkweise von Floristen herausfordern, die sich als „klein“ sehen?
A: Ich verstehe dieses Gefühl, aber ehrlich gesagt betrifft es mich ein wenig. Floristen sind überhaupt nicht klein. Sie sind Teil der wichtigsten Momente im Leben der Menschen. Ihre Arbeit hat einen enormen Wert – etwas, das kein Supermarkt oder Kette ersetzen kann.
Supermärkte verkaufen Blumen oft zu sehr niedrigen Preisen, aber sie tun das, um Kunden anzuziehen und mit anderen Produkten Geld zu verdienen. Ein Florist kann nicht über den Preis konkurrieren.
Die Stärke eines Floristen liegt in Persönlichkeit, Emotion und der Fähigkeit, etwas Einzigartiges zu schaffen. Man muss sich differenzieren, Mehrwert bieten und verstehen, warum Kunden zu dir kommen sollten.
Ich sage immer: Du bekommst die Kunden, die du verdienst.
4. Was unterscheidet Floristen, die wachsen, von denen, die stagnieren?
A: Für mich ist es einfach: Unbequemlichkeit lässt dich wachsen. Persönliche Entwicklung ist der Schlüssel, ebenso wie das Wachstum deines Unternehmens.
Das bedeutet, Entscheidungen zu treffen, deinen eigenen Stil aufzubauen und wiedererkennbar zu sein. Sei anders und schaffe Struktur für dich und dein Team. Ohne Struktur und klare Entscheidungen kann selbst Leidenschaft überwältigend werden.

5. Wie siehst du das Gleichgewicht zwischen Kreativität und unternehmerischem Denken?
A: Kreativität ist die Seele dieses Berufs, aber Unternehmertum hält sie am Leben.
Ich sehe oft sehr talentierte Floristen, die extrem hart arbeiten, sogar nachts, aber nicht genug verlangen oder ihre Kosten und Margen nicht vollständig verstehen. Sie wissen nicht immer, welche Arbeit Geld bringt und welche nicht.
Das ist schade, denn dieser Beruf verdient es, gesund und zukunftssicher zu sein.
6. Welche wichtigen Entwicklungen sollten Floristen im Blick behalten?
A: Die Welt wird schneller und komplexer, aber gleichzeitig suchen die Menschen nach Einfachheit. Sie wünschen sich Wärme, Komfort und eine gemütliche Atmosphäre zu Hause.
Floristen müssen darauf reagieren, indem sie den Kunden einen Grund geben, ihr Geschäft zu besuchen. Es geht um Mehrwert.
Kunden wollen:
- Bequemlichkeit
- Inspiration
- Ein gutes Gefühl beim Kauf
Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, besonders für jüngere Generationen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist Social Media. Floristen, die positiven und kreativen Content teilen, verkaufen oft deutlich mehr als diejenigen, die das nicht tun.
Die Grundlagen müssen stimmen: gutes Sortiment, effiziente Beschaffung, intelligente Logistik und Kostenkontrolle. Das schafft Raum für Kreativität und Kundenkontakt.
Es gibt auch Chancen im Cross-Selling – passende Töpfe, Vasen oder andere Produkte können den Umsatz steigern und das Kundenerlebnis verbessern.

7. Was bedeutet das Konzept „Haus des Produzenten“ in der Praxis?
A: Für uns bedeutet es, nah am Produzenten, am Produkt und am Kunden zu sein. Wir stellen sicher, dass Frische und Qualität immer stimmen.
Wir suchen ständig nach exklusiven Produkten, die Floristen helfen, sich abzuheben. Wir arbeiten eng mit Produzenten zusammen, kaufen große Mengen und konzentrieren uns auf Frische und Qualität.
Alles beginnt mit der Leidenschaft des Produzenten.
8. Welchen Rat würdest du einem Floristen geben, der Schwierigkeiten hat?
A: Ich würde mehrere Ratschläge geben.
Sei anders. Habe den Mut zu entscheiden, aber auch Dinge loszulassen. Analysiere, was dir Energie gibt und was dir Energie nimmt – was Energie kostet, kostet oft auch Geld.
Hab keine Angst, um Hilfe zu bitten. Lerne von anderen Floristen und sogar von Menschen aus anderen Branchen. Wir können viel voneinander lernen.
Die Zukunft bedeutet nicht, alles allein zu machen, sondern intelligent mit deinem Team und deinen Partnern in Einkauf, Logistik und Marketing zusammenzuarbeiten.
9. Welche Rolle spielen Innovation und Differenzierung heute?
Echte Emotion, echte Leidenschaft und wirklich frische Produkte stechen in der heutigen schnellen digitalen Welt hervor. Du musst nicht perfekt sein, aber authentisch.

10. Wie sieht ein „erfolgreicher Florist“ im Jahr 2026 aus?
A: Ein erfolgreicher Florist ist:
- spezialisiert und klar positioniert
- aktiv in den sozialen Medien und stark im Storytelling
- sich seiner Kosten bewusst und sicher in der Preisgestaltung
- in der Lage, Kunden einen Grund zu geben, für Qualität zu bezahlen
Es geht nicht mehr darum, härter zu arbeiten, sondern smarter und bewusster.
11. Welche Fehler machen Floristen beim Skalieren ihres Geschäfts?
A: Oft wollen sie zu viel, zu schnell. Ich sehe Floristen, die im Umsatz wachsen, sich dabei aber selbst verlieren.
Ohne Struktur wird Wachstum zur Belastung statt zum Erfolg. Binde dein Team ein, hilf ihm zu wachsen und sorge dafür, dass du nicht mehr, sondern smarter arbeitest.
Gesundes Wachstum sollte sich gut anfühlen – Schritt für Schritt ist oft besser.





12. Was motiviert dich heute noch?
A: Blumen und Pflanzen sind Teil der schönsten und schwierigsten Momente im Leben – das wird mich immer faszinieren.
Ich genieße es auch, leidenschaftliche Menschen auf der ganzen Welt kennenzulernen. Verschiedene Kulturen, Lebensweisen und Ideen inspirieren mich ständig.
Und am Ende sind es auch die einfachen Dinge: ein gutes Gespräch, ein Glas Wein und frisches, lokales Essen.
Nach diesem Interview bleibt eine klare Erkenntnis: Die Branche ist nicht schwieriger geworden – sie ist einfach anders. Und den Unterschied macht nicht der Markt, sondern die Einstellung, mit der wir ihn betrachten.
Als Gründer von ProFlorist und jemand, der viele Jahre in dieser Branche gearbeitet hat, kann ich sagen: Die größten Blockaden kommen nicht von außen – sie entstehen in der Art, wie wir mit Arbeit, Druck und Veränderung umgehen.
Ja, es gibt Herausforderungen. Die gab es schon immer. In jeder Branche. Aber wenn du genauer hinschaust, wirst du sehen, dass diejenigen, die scheinbar „über Nacht erfolgreich“ wurden, oft 5, 7 oder sogar 10 Jahre harter Arbeit hinter sich haben.
Der wahre Unterschied ist Energie.
Du kannst dich auf Mangel, Druck und Probleme konzentrieren. Oder du kannst wählen, zu bauen, zu erschaffen, zu lernen und mit einer Energie voranzugehen, die Menschen, Chancen und Kunden anzieht.
Floristik ist nicht nur Blumen. Es ist eine Stimmung. Und diese beginnt bei dir.
Wenn du gestresst, müde oder frustriert bist – spürt man das. Wenn du präsent, offen und authentisch bist – zieht das an.
Ich sage nicht, dass du Schwierigkeiten ignorieren sollst. Aber lass nicht zu, dass sie zu deiner Identität werden.
Lass hinter dir, was dich belastet. Lerne aus dem, was schmerzt. Aber baue mit dem, was dir Energie gibt.
Denn am Ende kommt Erfolg nicht nur davon, wie viel du arbeitest, sondern wie du arbeitest – und vor allem, wie du dich dabei fühlst.
Danke, John, für dieses Interview – es war eine echte Ehre und ein Gespräch, das definitiv Perspektiven verändert.
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